Wir starten unsere Wanderung in Mümliswil, Bushaltestelle «Bank», im solothurnischen Jura. Auf der Hauptstrasse gehen wir kurz balstahlwärts zurück und treffen hinter dem Landgasthof Ochsen auf den Wanderwegweiser zum Oberberg. Im Wald geht’s in vier grossen Kehren recht steil bergauf, etwas mehr als 300 Höhenmeter sind zu schaffen. Ein paar Stufen unter einem Felskopf sind noch zu überwinden- dann stehen wir oben auf der Wiese beim Hof Oberberg. Ein Grasweg führt zum Hof. Ein alter Nussbaum und ein mächtiger Birnbaum stehen auf der Südseite des Gehöfts. Wir gehen westwärts auf dem Zufahrtsweg weiter. Zwei riesige Tannen säumen den Weg. Beidseits stehen in der Weide alte Obstbäume. Der Oberberg ist eine besondere Landschaft, ursprünglich und wild. Nach der Abzweigung des Wanderwegs-links geht’s nach Balstahl hinunter- steigen wir rechts auf einem Gras-Fahrweg auf den Bergrücken. Vorbei an Esche und Linden laufen wir entlang dem Waldstück, das mit mächtigen Buchen am Südhang weiterführt. Nach etwa 250 Metern treffen wir auf die riesige Esche, 2011 noch als «ganzer Baum» beblättert (siehe Bild), heute ist sie leider abgestorben. Der vielleicht 150jährige Baum wirkt als Skelett immer noch imposant und steht am «richtigen» Ort: Auf dem höchsten Punkt des Oberbergs. Das Eschentriebsterben (Eschenwelke) ist eine seit 2008 verbreitete Pilzkrankheit. Sie führt zu welken Blättern und wie hier final zum Absterben der Bäume. Dabei können Äste abbrechen, was aus Sicherheitsgründen oft das Fällen der Bäume nötig macht. Die Hoffnung der Forstfachleute besteht darin, dass einzelne Eschen gegen die Pilze resistent werden könnten und so den Bestand erhalten werden kann. Für die Esche auf dem Oberberg ist es allerdings zu spät.
Dann gehen wir auf dem Bergrücken zurück zum Wanderweg und folgen ihm Richtung Bremgarten. Von hier oben geniessen wir die Aussicht ins Thal, auf die erste Jurakette und durch die Klus Richtung Mittelland. Über die Oberbergmatten folgen wir dem Wanderweg und auf der Chrüzlimatt wählen wir den linken Abzweiger und erreichen bald den Hof Bremgarten. Hier steht rechts neben dem Gatter ein alter verhutzelter Weissdorn. Am Rand der leicht ansteigenden Weide - etwa 30 Meter entfernt- finden wir in Laubbäumen versteckt eine uralte Eibe. Ihr Alter wird auf etwa 500 Jahre geschätzt; der Umfang beträgt über vier Meter. Nach dem Besuch im Restaurant -kann ich alleweil empfehlen- nehmen wir den Wanderweg über «Höngertüelen», wo wir am Waldrand nochmals auf dicke Eiben und Buchen treffen, hinunter nach Balstahl.
Wie hin?
-Von Oensingen an der Bahnlinie Solothurn-Olten, Fahrplanfeld 410, nach Balstahl mit der OeBB, Fahrplanfeld 412.
-Von Balstahl nach Mümliswil, Bus-Linie 130, Fahrplanfeld 50.130. Stündliche Verbindungen.
P beim Bahnhof Balstahl.
Wie zurück?
Wie bei der Anfahrt.
Wie lange?
-Mümliswil, 557 m ü.M. – Hof Oberberg, 872 m ü.M. 50 Min.
-Hof Oberberg – Oberberg, 920 m ü.M. (Esche) – Bremgarten, 909 m.ü.M. (Eibe) 1 Std 10 Min.
-Bremgarten – Balstahl, Bahnhof OeBB, 489 m ü.M. 1 Std.
Machen Sie die Wanderung im Frühling oder im Herbst. So schonen Sie auf dem Oberberg das Gras. Im Herbst liegt das Thal im Nebel, Sie geniessen die Sonne- und der Blick geht weit, bis in die Alpen.
Der Naturpark Thal bietet eine Fülle von Aktivitäten: naturparkthal.ch
«Um die Mitte des Baumes wohnen die Menschen»
«Bei verschiedenen Völkern prägte früher ein Riesenbaum die Vorstellung vom Universum: ein Urweltbaum, aus der Erde entspringend und den Himmel tragend. In der nordischen Mythologie stellt die immergrüne (!) Esche Yggdrasil einen Riesenbaum dar, der alle Bereiche des Kosmos umfasst. Die Äste und Zweige des Baumes überspannen die Erde und reichen nach Asgard, dem Wohnort der Götter, und bis in den Saal Walhall, der Heimat der Helden. Um die Mitte des Baumes wohnen die Menschen. Seine Wurzeln verzweigen sich unter der Erde und reichen bis nach Niflheim, dem Reich der Göttin Hel und der Toten. Neben der Esche befindet sich die Quelle Udarborn, dort weben die drei Nornen Urd, Werdandi und Skuld am Schicksal der Menschen. Im Wipfel der Weltesche sitzt ein Adler, an den Wurzeln nagt der Drache Nidhöggr. Zwischen den beiden trägt das Eichhörnchen Ratatöskr Streit und Beleidigungen hin und her. Yggdrasil umfasst symbolisch die Polaritäten von Himmel und Erde und umfasst Gut und Böse in einem Wesen.»
Was für eine fantastische «Geschichte»! Bei der Esche auf dem Oberberg ist sie mir wieder in den Sinn gekommen.
